Mein Leben als Kunde

Von der Wiege bis zur Bahre, nichts als Ware – Stefan Winterbauers Weblog

Aldi goes Manufactum

Es gibt sie noch, die guten Dinge. Neuerdings auch bei Feinkost Albrecht. Aldi ist immer mal wieder für eine Überraschung gut. In einem der jüngeren Prospekte fiel mir das 2er-Set mit „Profi-Küchentüchern auf. 65% Baumwolle, 35 % Leinen. Halbzwirnqualität mit Leinenanteil. Mit zwei Schlaufen für platzsparendes Aufhängen. Made in Germany!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Hmmm. Diese Tücher kamen mir seltsam bekannt vor. Kramen wir mal den Manufactum Katalog raus und siehe da:

Küchenhandtuch Halbleinen mit 50 % Leinen, 50 % Baumwolle, ebenfalls ein Meter Länge. Dazu gibt es freilich noch das üblich blümerante Manufactum-Geschwafel, das mich stets an den Peterman-Katalog aus „Seinfeld“ erinnert: „Einst fehlte es in keines Bergmanns Waschkaue: das Grubentuch, mit dem die Kumpel sich abtrockneten. (…) Als Geschirrtuch gibt es das Grubentuch heute nur noch blaugemustert (…) Bei Manufactum kosten drei der blauen Küchentücher 24 Euro. Bei Aldi gab es zwei Stück für 6,99 Euro.

Im selben Aldi-Prospekt fand sich dieses hier:

Und bei Manufactum:

Da kostet die japanische Astsäge schlappe 78 Euro. Womit nicht gesagt sein soll, dass die Manufactum- und die Aldi-Produkte Eins zu Eins austauschbar wären. Aber die Manufactum-isierung des Discounters entbehrt nicht einer feinen Ironie.

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Fjällräven Numbers – gnadenlos überteuert

Nachdem ich einen ersten Blogpost zu der neuen Numbers-Kollektion des Outdoor-Herstellers Fjällräven mit einiger Begeisterung geschrieben habe, muss ich nun zurückrudern. Zwischenzeitlich haben die Schweden nämlich ihre Preisvorstellungen zu den Numbers-Produkten veröffentlicht und die sind – gelinde gesagt – eine Unverschämtheit. So werden für den wirklich schick aussehenden Anorak Nr. 8 499 Euro UVP aufgerufen. Bitte!? Für einen nicht gefütterten, nicht wasserdichten Anorak aus Baumwoll-Polyester Mischgewebe?

Man versucht den preis mit allerlei Wortgeklingel zu rechtfertigen. Auf meine Maulerei bezüglich des Preises auf der Facebook-Seite von Fjällräven gab es folgende Antwort:

 In this case we have gone all-in in every aspect – when it comes to material choice, environmental aspects, functionality etc. etc.
However we still offer products in a wide price range so you should be able to find a product that fits your needs.

We know that the Numbers System may not be for everybody – but for the people who are out a lot, during all seasons – items from the Fjällräven Numbers System will ge a good investment that will pay back for many many years of usage.

Der horrende Preis wird also gerechtfertigt mit Langlebigkeit, den umweltverträglichen Produktionsbedingungen und Materialen sowie der hohen Qualität. Das ist alles gut und schön.

Aber:

Langlebigkeit: Das ist ein wichtiger Punkt und geht Hand in Hand mit Qualität. Es sollte aber doch möglich sein, einen Schlupf-Anorak langlebig von allerhöchster Qualität unter 500 Euro zu produzieren. Die Firma Mufflon z.B. fertig Kleidung aus gewalkter Wolle höchster Qualität, produziert sogar komplett in Deutschland und ist alles andere als niedrigpreisig – aber solche Mondpreise wie bei der Numbers-Reihe finden sich dort nicht.

Produktionsbedingungen: Fjällräven hält große Stücke darauf, dass die Numbers-Teile in Europa hergestellt werden. Will heißen: in Osteuropa. Die Numbers-Teile werden hauptsächlich in Ungarn, Estland und Litauen gefertigt. Die Daunenweste für schlappe 350 Euro sogar in China. Wenn schon so exklusiv, warum dann keine Produktion komplett in Schweden?

Angeblich sollen die Numbers Teile für erfahrene Expeditionstrekker mit höchsten Ansprüchen sein. Aber welche Expedition greift heute auf Kleidung aus Baumwoll-Polyester-Mischgewebe zurück und lässt die Dreilagen-Jacke zuhause? Sowohl von Material als auch Design ist die Numbers-Kollektion eher etwas für Nostalgiker und Retro-Fans. Dagegen ist nichts einzuwenden. Dass Fjällräven den überteuerten Preis aber versucht mit der Expeditionstauglichkeit der Teile zu rechtfertigen, ist lächerlich (zugegebenermaßen könnte man den Anorak für Wintertouren in Skandinavien bei trockener Kälte sicher gebrauchen – aber Fjällräven wirbt ja gerade mit der Tauglichkeit der Produkt für jede Jahreszeit).

Der Anorak ist nicht das einzige Teil mit überzogener Preisgestaltung bei Fjällräven Numbers. Die Gaiter Hose Nr.1 kostet knapp 300 Euro, die schon erwähnte Daunenweste 350 Euro, eine Fleecejacke gibt es „schon“ für 250 Euro. Bei dem Onlineshop Wildnissport.de konnte man die Numbers-Teile bis zum 9. Februar vorbestellten. Dort ist auch zu lesen, dass es sich um limitierte Ware handelt, eine Bestellung über die Seite ist mittlerweile auch nicht mehr möglich. Bei Wildnissport kostet der Anorak übrigens „nur“ 429,90 Euro und die Seite behauptet, ausgeliefert werde im Februar. Auf der Fjällräven-Seite heißt es, die Produkte geben es ab Herbst – ja was den nun?

So ergibt das Numbers-Konzept natürlich (für den Hersteller) durchaus Sinn. Limitierte, hübsche Retroware zu Mondpreisen, die künstlich verknappt nur über bestimmte Shops vertrieben wird. Die Outdoor-Jacke als Sammlerstück. Das kann man doof finden (wie ich) oder toll.-Es wäre aber gewiss klug von Fjällräven gewesen, das Konzept mit der limitierten Ware auch von Anfang an genau so zu kommunizieren. Stattdessen wurde in Werbevideos und Ankündigungen so getan, als handle es sich um eine ganz normale Kollektion.

Hier gibt es übrigens einen sehr interessanten Artikel darüber, welche Outdoorfirmen tatsächlich nachhaltig produzieren. Fjällräven kommt dabei keineswegs besonders gut weg.

Fjällräven Numbers mit dem Über-Anorak

Mein Lieblings-Outdoor-Klamottenhersteller Fjällräven hat heute bei der Sportmesse Ispo in München eine neue Bekleidungslinie vorgestellt: Fjällräven Numbers. Numbers deswegen, weil die Teile nicht wie üblich mit schwedischen Ortschafts- oder Regionsnamen benannt sind, sondern durchnummeriert werden. So war das eben früher und weil die Herrschaften bei Fjällräven viel von Nostalgie halten, wurde die Durchnummerierung wieder aufgegriffen. Das Besondere an Numbers soll neben dem traditionellen Design und der Nummerierung sein, dass die Teile allesamt in Europa hergestellt werden und ein Etikett den genauen Herstellungsort verrät. Außerdem soll alles auf Langlebigkeit und Nachhaltigkeit hin entwickelt sein – sprich es werden Öko-Materialen und recycelbare Stoffe verwendet. Lobenswert!

Von den bisher vorgestellten Numbers-Artikeln gefällt mir vor allem der Anorak Nr. 8 mit seiner absurd riesigen Kapuze, die angeblich aber total variabel ein- und umgeklappt werden kann. Eine Art Über-Anorak aus dem bewährten G1000 Mischgewebe (in einem anscheinend neuen Mix aus Öko-G100 und Heavy Duty G1000 an den Schultern). Die Numbers-Produkte werden leider erst im Herbst 2012 zu kaufen sein. Aber dieser Anorak wird garantiert ein Hit.

Hier das Fjällräven Promovideo zu Numbers:

Die Rückkehr der geheimnisvollen Uhren des André Belfort

Der Artikel „Das Geheimnis der Uhren des André Belfort“ in meinem Blog erfreut sich auch nach langer Zeit ungebrochener Beliebtheit. Warum ist das so? Ganz einfach: André Belfort ist zurück! Bzw.: Wahrscheinlich war er nie richtig weg. Mit neuartigen Online-Schnäppchen-Angeboten wie Groupon oder Zalando-Lounge erleben die scheinbar so günstigen Uhren des André Belfort seit einiger Zeit aber eine Art Renaissance. Sowohl bei Zalando-Lounge als auch bei Groupon tauchten diese Uhren bereits mehrfach auf – wie üblich zu haarsträubenden, angeblichen Rabatten wie im Screenshot von Groupon von 83 %.

Was ist nochmal das Geheimnis dieser sensationell günstigen Uhren? Ach ja: Sie werden außer in den Online-Shops von Christian Gerner, dem die Uhrenmarke André Belfort auch gehört, nirgendwo sonst zu den fantastischen UVP-Preisen verkauft. Der Verdacht liegt nahe, dass es sich bei den Uhren um so genannte China-Böller handelt, das sind günstig in Fernost hergestellte Uhren, versehen mit einer Pseudo-Marke und scheinbar fantastischen Rabatten unters Volk gebracht – das ideale Ziel für Schnäppchenjäger. Früher hatte der halbseidene Sender Glück TV auch die Uhren des André Belfort im Programm und später sein Glück mit einer eigenen Pseudo-Edeluhrenmarke namens L. David & Sons probiert. Mittlerweile verticken die bei Glück TV nur noch Elektro-Geräte und Handyverträge – das scheint noch lukrativer zu sein.

Dass sich Schein-Schnäppchen wie André-Belfort-Uhren bei Angeboten wie Groupon tummeln, spricht nicht gerade für die Seriosität von Groupon und Konsorten – neben vielen anderen Gründen. Einige davon habe ich schon vor längerer Zeit bei meinem Arbeitgeber MEEDIA zusammengetragen.

Klättermusen Gungner – die Rucksack-Schönheit

Klättermusen Gungner

Auf der Suche nach dem perfekten Rucksack ist mein erster Kandidat ein Klättermusen Gungner mit 40 Liter Fassungsvermögen. Hier sollten vielleicht zu allererst ein paar Worte über die schwedische, darf man das sagen?, Kultfirma Klättermusen verloren werden. Klättermusen ist so eine Firma, bei der Eingeweihte kennerhaft mit der Zunge schnalzen und die Jack-Wolfskin-Fraktion verständnislos die Achseln zuckt. Klättermusen ist nicht direkt auf dem Massenmarkt präsent und es gibt hierzulande nicht viele Geschäfte oder Versender, die diese Produkte führen. Eines der wenigen Ladengeschäfte in Deutschland, die Klättermusen-Produkte führen, ist die Globetrotter-Filiale in Hamburg – aber auch dort gibt es nur ein sehr eingeschränktes Sortiment, z.B. die Panzer-artige Jacke Brede.

Die nordische Coolness der Firma zeigt sich u.a. in den Namen der Produkte, die meist mythischen Kontext haben. Gungner beispielsweise ist der Speer des Odin. Der Trekkingrucksack aus dem Hause Klättermusen wurde nach Thors Hammer Mjölner benannt. Und die Schweden stellen sogar Jacken und Pullover mit dem Namen Mithril her – das unzerstörbare Zaubermetall aus Tolkiens „Herr der Ringe“. Klättermusen hat sogar eine Version der Mithril-Jacke gefertigt, die komplett aus Kevlar besteht. Das ist natürlich sauteuer (411 Euro für eine Softshell-Jacke ohne Kapuze) und völlig unnötig – aber doch faszinierend in der Kompromisslosigkeit. Man muss dem Hersteller zu Gute halten, dass man sich dort über Preis und Irrwitz solcher Sperenzchen im Klaren ist. Der Preis der Mithril-Kevlar wird von Klättermusen selbst als „grauenerregend hoch“. Weiter heißt es in der offiziellen Produktbeschreibung: „Offen gesagt gibt es keinen funktionellen Grund, dieses exklusive Material für einen Sweater zu verwenden. Es ist tatsächlich zuviel des Guten. Sollten Sie ihn kaufen, gehen Sie davon aus, mit ihm dem Rest Ihres Lebens zu verbringen, und vergessen Sie nicht, ihn in Ihrem Testament zu erwähnen.“ Für diesen bewundernswerten Unsinn hat Klättermusen sogar 2011 einen Outdoor Industry Award gewonnen.

Klättermusen Gungner 5

Klättermusen-Produkten eilt also nicht ganz umsonst der Ruf voraus, extrem funktional, extrem robust, extrem gut designt und extrem teuer zu sein. Insofern ist der Rucksack Gungner ein typisches Klättermusen-Produkt. Er kostet im deutschen Handel knapp 210 Euro – nicht eben wenig für einen 40-Liter-Rucksack mit minimalistischer Ausstattung. Aber er ist eben auch ein besonders schöner Rucksack. Es gibt ihn in schwarz (empfehlenswert), grün (bedingt empfehlenswert) und einem Augenschmerzen verursachenden zitronengelb (nicht empfehlenswert!). Getragen macht er eine tolle Silhouette, die flexible Kordel am Deckel ist in einem dezenten rotweiß gehalten, an einer Ecke wurde eine sehr kleine Schweden-Fahne angebracht (kennt man von Fjäll Räven, die das ein bisschen offensichtlicher machen). Die Schnalle des Beckengurtes ist aus Metall mit Klättermusen-Logo. Der Boden des Rucksacks und der Auslass für das Trinksystem sind mit Kevlar verstärkt. Das alles sieht schon verdammt gut aus und macht einen außerordentlich robusten und gut verarbeiteten Eindruck.

Der Klättermusen Gungner verfügt über eine Rollöffnung, die Zugriff zum Hauptfach bietet. Besonderer Pfiff: Man kann die Rollöffnung auf zwei Arten schließen. Entweder Man rollt sie relativ weit ein und schließt den Deckel mit je einer Schnall links und rechts. In diesem Fall sitzt die flexible Kordel auf dem Deckel des Gungner und man kann daran noch weiteres Gerödel befestigen. Hat man mehr geladen, rollt man den Sack weniger weit zu und verschließt die beiden Schnallen an der Öffnung miteinander, wie man es von einem klassischen Packsack, z.B. von Ortlieb, gewohnt ist. Dadurch kann man zwar die Kordel nur noch eingeschränkt nutzen, erhält aber deutlich mehr Volumen im Hauptfach. Die Rollöffnung und das hochwertige Material legen nahe, dass der Gungner auch einen Regenguss ohne Hülle ohne weiteres wegstecken kann. Er wird vom Hersteller allerdings nicht als wasserdicht bezeichnet.

Klättermusen Gungner 2

Überhaupt ist der 40-Liter-Gungner ein recht ausgewachsener Sack. Die Beckengurte sind üppig gepolstert, steif und hochwertig. Mit diesen Gurten dürften auch schwerere Lasten ohne Probleme bequem zu tragen sein. Neben der 40-Liter-Version gibt es den Gungner auch noch mit 50 Liter Fassungsvermögen – damit erhält man dann schon einen kleinen Trekking-Rucksack. In den Brustgurt eingearbeitet hat der Gungner die bei Skandinaviern übliche Not-Pfeife. Der üppige Beckengurt wird beim Einsatz als Kletterrucksack allerdings eher von Nachteil. Man kann den Beckengurt allerdings (eher umständlich) auch entfernen.

Nun zu den Nachteilen: So hübsch er ist, der Gungner. Gerade für seinen stolzen Preis ist doch arg wenig dran. Gerade mal eine mickrige kleine Innentasche für Wertsachen gibt es. Kein Deckelfach, keine Seitentaschen (kann man für horrende Preise nachrüsten), keine Tasche für ein Trinksystem. Auch an der Außenseite gibt es außer der Deckel-Kordel keine offensichtlichen Befestigungspunkte. Allerdings werden zwei Schlaufen mitgeliefert, die man in winzig kleine Aussparungen an der Rucksack-Außenhülle einhängen kann. An diesen Schlaufen kann man dann Stöcke, Eisäxte oder sonstwas  befestigen. An den zahlreich vorhandenen Aussparungen kann man theoretisch noch weitere Riemen oder Schlafen anhängen – was freilich das elegante Erscheinungsbild dieses Klättermusen-Sacks trüben dürfte.

Klättermusen Gungner 3

Das Innere des Gungner ist sehr dunkel, was zum unschönen Black-Hole-Effekt führt, wenn man Ausrüstung sucht, die in den Untiefen des Sacks verschwunden ist. Eine Tasche zur Aufnahme eines Trinksystems wäre bei dem stolzen Preis kein Luxus gewesen. Minimalismus gut und schön – am Ende bietet der gute Gungner aber doch ein bisschen wenig Ausstattung für das viele Geld. Klättermusen-Freunde bezeichnen sich selbst gerne als Mitglieder im Klättermusen-Club. Mitglied in diesem erlauchten Kreis wird man mit Erwerb eines der Stücke der Firma. Meine Mitgliedschaft muss leider noch ein wenig warten. Der Gungner und ich sind nicht zusammengekommen.

Hier ist die Gungner-Beschreibung auf der Klättermusen-Website.

Die Suche nach dem perfekten Rucksack geht weiter. Demnächst: mit dem Crux AK47.

Der KlättermusenGungner ist in Deutschland u.a. hier erhältlich:

Unterwegs.biz

Outdoortrends.de

Wuerzburger-Sportversand.de

Voycontigo.de

Klättermusen Gungner 4