Im Alpen-Resort (3): Im Wellness-Bade-„Paradies“

von Stefan

DIE Haupt-Attraktion des Alpen-Resorts in dieser Saison ist das neue Schwimmbad. Wo früher eine für einen Hotel-Kasten dieser Dimensionierung völlig unterdimensionierte Pfütze durch das Geschrei und Hineingespringe freigeistig verzogener Kinder unbenutzbar war, haben die Eigentümer nun für viele Fantastilliarden Euros einen Spaß- und Wellness-Wassertempel hingeklotzt, der sich gewaschen hat. Man stelle sich vor: früher musste man zum Außenbecken aus der Indoor-Pfütze aussteigen und in einen mickrigen Zugang zum Außenbecken wieder einsteigen. Entwürdigend! Unzumutbar! Jetzt ist alles wie es sein soll. Die Anlage hat veritable Spaßbad-Größe und ist im so genannten neo-alpinen Stil eingerichtet: Eine Mischung aus fernöstlich angehauchtem Ayurveda-Kitsch und Hütten-Romantik. Das Becken besteht aus Edelstahl. Das sieht erstens schick aus, zweitens beugt es dem lästigen Fußpilz und der berüchtigten Dornwarze vor und drittens war es vermutlich sauteuer. Man kann nun direkt nach draußen schwimmen und muss dies auch nicht durch ein paar wulstige Gummilappen tun, deren untere Ränder ungute Gedanken an Duschvorhänge in zweifelhaften Hotelbetrieben wecken. Nein – eine Lichtschranke sorgt dafür, dass sich eine Glastür automatisch vor dem Schwimmer öffnet und hinter ihm schließt. Topmodern. Draußen warten dann das vielzitierte Alpenpanorama und ein Jacuzzi, das allerdings wiederum unbenutzbar ist, weil es 24 Stunden am Tag von halbstarken Russen bevölkert wird.

Um das Problem mit den schreienden Kindern in den Griff zu bekommen, haben die Macher der neuen Anlage das Schwimmbad zweigeteilt. Die beiden Teile heißen auch nicht mehr Schwimmbad, sondern Wasser-Welten. Drunter geht es nicht. Die Wasser-Welt für die „Kids“ nennt sich lautmalerisch Splash, die für Erwachsene wurde in der allgegenwärtigen Wellness-Kunstsprache Aquamonte getauft. Aqua wegen dem Wasser, Monte vermutlich wegen den Bergen. Die Splash-Welt besteht aus einer spiralförmigen Röhrenrutsche mit allerlei Bling-Bling-Lichteffekten. Man kann diese mit oder ohne Gummireifen durchrutschen, was nicht nur Kindern Spaß macht. Dann gibt es noch eine Minirutsche ins eigentliche Becken, das aber ausschließlich als Parkplatz für die begehrten Gummiringe dient. Das obligatorische Kleinkinderbecken mit dem urinwarmen Seichtwasser ist natürlich auch da. Aber das Kauern von erwachsenen Frauen mit Kleinkindern in diesen Pipi-Becken hat immer etwas Entwürdigendes, weswegen ich dieses Schauspiel gerne ignoriere. Um das Kinder-Geschrei zu dämpfen, wurde zwischen den beiden „Welten“, gleichsam als Erziehungs-Ersatz, eine schalldichte Glaswand eingezogen. Hervorragend.

Soweit also das Konzept: schreiende Spaß-Kinder hier, nach „Wellness“ dürstende Erwachsene dort. Sauber getrennt. Das funktioniert in der Praxis nur eingeschränkt. Die Kinder bevölkern, vor allem zu Stoß-Zeiten, auch die „Ruhe“-Welt der Großen und springen und schreien wie eh und jeh. Wenn ich den Blick in den Augen der ruppigen Bademeisterin richtig deute, werden es sich viele der jungen Angestellten der Wasser-Welten gut überlegen, ob sie eigenen Nachwuchs wollen.

Im Alpen-Resort (2): die Russen

Im Alpen-Resort (1): in der Sauna

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