Mein Leben als Kunde

Von der Wiege bis zur Bahre, nichts als Ware – Stefan Winterbauers Weblog

Im Alpen-Resort (3): Im Wellness-Bade-„Paradies“

DIE Haupt-Attraktion des Alpen-Resorts in dieser Saison ist das neue Schwimmbad. Wo früher eine für einen Hotel-Kasten dieser Dimensionierung völlig unterdimensionierte Pfütze durch das Geschrei und Hineingespringe freigeistig verzogener Kinder unbenutzbar war, haben die Eigentümer nun für viele Fantastilliarden Euros einen Spaß- und Wellness-Wassertempel hingeklotzt, der sich gewaschen hat. Man stelle sich vor: früher musste man zum Außenbecken aus der Indoor-Pfütze aussteigen und in einen mickrigen Zugang zum Außenbecken wieder einsteigen. Entwürdigend! Unzumutbar! Jetzt ist alles wie es sein soll. Die Anlage hat veritable Spaßbad-Größe und ist im so genannten neo-alpinen Stil eingerichtet: Eine Mischung aus fernöstlich angehauchtem Ayurveda-Kitsch und Hütten-Romantik. Das Becken besteht aus Edelstahl. Das sieht erstens schick aus, zweitens beugt es dem lästigen Fußpilz und der berüchtigten Dornwarze vor und drittens war es vermutlich sauteuer. Man kann nun direkt nach draußen schwimmen und muss dies auch nicht durch ein paar wulstige Gummilappen tun, deren untere Ränder ungute Gedanken an Duschvorhänge in zweifelhaften Hotelbetrieben wecken. Nein – eine Lichtschranke sorgt dafür, dass sich eine Glastür automatisch vor dem Schwimmer öffnet und hinter ihm schließt. Topmodern. Draußen warten dann das vielzitierte Alpenpanorama und ein Jacuzzi, das allerdings wiederum unbenutzbar ist, weil es 24 Stunden am Tag von halbstarken Russen bevölkert wird. Den Rest des Beitrags lesen »

Satz mit X …

war wohl nix. Meine Bewerbung für die Fjäll-Räven-Polar-Sause ist krachend gescheitert. Statt der notwendigen 3.655 Stimmen via Facebook, die nötig gewesen wären, habe ich sage und schreibe 16 Stimmen erhalten. Knapp daneben ist auch vorbei. Trotzdem reichten diese 16 Stimmen noch für einen respektablen 43. Rang in der Deutschland-Wertung und Rang 174 international. Damit man das in Relation setzen kann: Aus Deutschland gab es 75 Bewerber, international waren es 537 Bewerber. Der Bestplatzierte international, Michael Angelo Ruffino, erhielt 4.362 Stimmen. Der bestplatzierte Deutsche, Kamran Ali, erhielt 3.654 Stimmen.

Was lerne ich daraus? Es ist gar nicht so einfach, Internet-Leute dazu zu bewegen, etwas zu tun. Um für den Fjäll Räven Polar abzustimmen musste man a) ein Facebook-Konto haben und b) eine Fjäll Räven Polar Abstimmungs-App zulassen. Solche Facebook Apps genießen in gewissen Kreisen einen zweifelhaften Ruf. Angst vor der Datenkrake usw. Das mag für einige eine Hürde gewesen zu sein. Einerseits ist es natürlich nachvollziehbar, dass die Typen bei Fjäll Räven (FR) die Abstimmung über Facebook und so eine App laufen lassen – auf diese Weise ist praktisch garantiert, dass jede Person nur einmal abstimmen kann. Und andererseits kommt die Firma auf diese Weise mehr oder weniger elegant an Daten potenzieller Kunden. Fairerweise muss man aber sagen, dass bisher nicht bekannt ist, dass FR die Teilnehmer der Abstimmung mit Werbung zumüllen würde.

Das ernüchternde Social-Media-Ergebnis in meinem Falle lautet also: 146 Facebook-Kontakte, 1.208 Follower bei Twitter = 16 Stimmen. Zugegebenermaßen habe ich, da sehr schnell klar war, dass es nicht reichen würde, das Thema auch nicht weiter auf meiner Facebook- oder Twitter-Seite thematisiert. Was bleibt, ist den Gewinnern zu gratulieren! Ist bestimmt ein toller Trip.

Fjällräven Polar: Schickt mich Hundewurst hacken!

Hallo!

Für das kommende Jahr bewerbe ich mich jetzt für den Fjällräven Polar. Das ist ein Event des von mir allseits geschätzten schwedischen Outdoor-Fabrikanten Fjällräven. Man wird im April 2013 nach Norwegen gekarrt und fährt dann drei Tage lang mit Hundeschlitten durch die arktische Kälte. Der Clou: Man kann/darf/muss seinen eigenen Schlitten steuern! Hier auf der FR-Website gibt es allerlei Infos und sehenswerte Videos dazu.

Wer mit darf, wird in einem Wettbewerb ermittelt. Man stellt eine Bewerbung online und sammelt Stimmen. Selbiges habe ich heute gemacht – also die Bewerbung online gestellt, inklusive „lustigem“ Video mit irren Windgeräuschen (Outdoor!), drei Fotos aus der Privatschatulle und ein paar dürren Zeilen. Der Hund ist natürlich auch mit von der Partie …

Das Video binde ich hier auch ein, wichtig aber wäre, dass alle, alle, ALLE zur Fjällräven-Seite rübermachen und für mich abstimmen. Man braucht dazu einen Facebook-Account (damit jede Stimme nur einmal gezählt wird – fies!) und muss sich erst einloggen. Danach kann man den Vote-Button oben rechts anklicken. Also: rübermachen, abstimmen und dann geht endlich mein Kindheitstraum in Erfüllung – nördlich des Polarkreises gefrorene Hundewurst hacken (die Wurst ist FÜR die Hunde, wohlgemerkt).

Danke für Ihre Aufmerksamkeit!

Feine Ware, in Deutschland (noch) nicht zu haben: Röjk Superwear

Heute mal ein paar Zeilen über eine wirklich gute Outdoor-Marke, das in Deutschland (noch) nicht vertrieben wird: Röjk Superwear. Die Schweden von Röjk stellen ein sehr begrenztes Sortiment an Kunstfaser-Bekleidung her. Kernprodukt ist der Tvister Helmet Hoodie, ein Kapuzenpulli, der dafür gedacht ist, dass die Kapuze auch gut unter einen Helm passt. Daneben hat Röjk noch Shortlongs (lange Unterhosen), Socken, Mützen, Schals und Baclavas im Angebot. Viele Kleidungsstücke bestehen aus Tvister, ein von Röjk entwickelter Fleece-Stoff, der extrem leicht, abriebfest und für maximalen Feuchtigkeitstranspot ausgelegt ist. Außerdem ist der Stoff mit Polygiene ausgerüstet, was die Geruchsbildung hemmt.

Ich selbst habe für mich und meine Frau einen Tvister Hoodie aus dem Adnature-Onlineshop direkt aus Schweden

bestellt. Das Teil hält tatsächlich, was es verspricht: superleicht, ziemlich warm, flexibel, sehr körpernah geschnitten mit einer eng anliegenden Kapuze, ungewöhnlichem Design und ungewohnten Farb-Kombis. Die Polygiene-Ausrüstung funktioniert in der Tat sehr gut. Es ist schon fast unheimlich, wie lange man den Tvister Hoodie beim Sport tragen kann, ohne dass er anfängt zu müffeln. Der Tvister Hoodie ist eine ideale Isolationsschicht für Wanderungen, bei denen es aufs Gewicht ankommt. Er eignet sich auch hervorragend fürs Skifahren, Radfahren und zum Klettern. Meine Frau trägt ihn bei kühlen Temperaturen auch beim Joggen. Benötigt man die Kapuze nicht, bildet diese einen wunderbaren, wärmenden Kragen. Ein wirkliches Allround-Teil.

Röjk scheint eine eher kleine Firma zu sein, die zudem ihre Ware komplett in Schweden produziert, also auf eine Produktion in Asien oder anderen Billig-Standorten verzichtet. Schade, schade, dass es diese innovativen und formschönen Teile noch nicht offiziell in Deutschland gibt. Vielleicht kommt ja der eine oder andere Outdoor-Händler ja auf den Geschmack.

Wer sich Röjk-Ware im Internet bestellen möchte: die Kleidungsstücke sind unisex und fallen eher klein aus. Mir passt bei 1.92 m Körpergröße der Tvister Helmet Hoodie in XL gerade noch so. Die Bestellung bei Adnature.com (einer der größten Outdoor-Händler in Schweden) hat problemlos geklappt, die berechnen allerdings einen recht saftigen Aufschlag für den Versand nach Deutschland (verständlich). Allerdings hat Adnature auch oft Sonderangebote, so dass sich die Bestellung trotzdem lohnen kann.

Aufmerksam wurde ich auf Röjk durch diesen Beitrag im sehr empfehlenswerte Blog Scandinavian Hiking.

Das Schwein, das lachte

Den Öko-Bauernhof Herrmannsdorfer Landwerkstätten in Glonn in der Nähe von München gibt es seit 26 Jahren. Sein Gründer Karl Ludwig Schweisfurth hat einst Herta zum größten fleischverarbeitenden Industrieunternehmen Europas gemacht gemacht. Heute setzt er sich für Ethik in der Tierhaltung ein – auch bei der Schlachtung

Wenn man in die Wohnküche von Karl Ludwig Schweisfurth kommt, könnte man meinen man betritt einen lebendig gewordenen Manufactum-Katalog oder ist in eine Geschichte der Zeitschrift „Landlust“ gefallen. In der Küche des Gründers der Herrmannsdorfer Landwerkstätten dominiert ein gewaltiger Holztisch, alte Messer sind darauf verteilt. Es gibt einen großen Ofen, Töpfe Pfannen. Der Hausherr steht mittendrin, trägt eine Lederhose und einen Hut. Die gute alte Zeit ist sehr lebendig hier, vor den Toren Münchens. Bevor er das Gespräch beginnt, fordert er einen erst einmal auf, sich im Hofladen mit den Produkten der Landwerkstätten vertraut zu machen. Hier gibt es Schweine, Rinder, Schafe, eine Öko-Bäckerei und eine Käserei. Alles streng ökologisch und sehr ethisch. Man soll riechen, fühlen, schauen.

In den Wohnräumen von Karl Ludwig Schweisfurth hängen Ölgemälde, die Szenen von Schlachtungen zeigen. Darauf angesprochen lacht der Alte. Ja, es mag Leute geben, die so etwas abstoßend finden. Aber das liege doch daran, dass der moderne Mensch den Bezug zum Tier und zur Schlachtung verloren hätte. Er selbst finde so etwas schön, ästhetisch, sagt er und zeigt auf ein Bild, das in stilisierter Form zeigt, wie ein Schwein zerlegt wird. Es hängt bei ihm im Hausflur. Den Rest des Beitrags lesen »